Nachdem wir im ersten Teil herausgefunden haben, was ein Gameplan eigentlich ist und wie wir beginnen, diesen aufzustellen, gilt es nun, uns der nächsten Frage zu stellen.

Top vs. Bottom Spieler*in

Wie wir im vorherigen Kapitel schon herausgefunden haben, ist es essentiell zu wissen, ob unser stärkster Angriff aus einer Top Position (meist Mount oder Back Mount) heraus stattfindet oder aus einer Bottom Position (z.B. Closed Guard). Nachdem diese Frage geklärt ist, stellt sich automatisch eine weitere:

Wie komme ich in meine beste Position?

Top Player

Alle Top-Spieler*innen haben den Vorteil, dass sie, der Hierarchie der Positonen folgend, automatisch (sofern das Turnier mit Punkten arbeitet) auf ihrem Weg zu ihrer Zielposition immer Punkte sammeln und selbst, wenn sie ihren Angriff nicht umsetzen können, den Kampf so für sich entscheiden können.

Wie im Artikel zum ersten Teil verfolgen wir wieder zwei meiner Schüler auf ihrem Weg. Mein Schüler hat für sich entschieden, dass seine stärkste Angriffsposition die Back Mount (statistisch gesehen sowohl im Gi als auch NoGi übrigens die stärkste Position überhaupt) ist. Welche Angriffe er von dort macht hat er für sich bereits im ersten Abschnitt herausgefunden, nun geht es vor allem darum, wie er dorthin kommt.

Als ersten Startpunkt hat mein Schüler die Side Control gewählt, von wo aus er mit einem Angriff auf den entfernten Arm vorbereitet, seine Position zu verbessern. Sollte sein Gegner sich nicht wehren und er den Angriff (z.B. einen Kimura) umsetzen können wird dieser natürlich bis zur Aufgabe durchgezogen und der Kampf damit gewonnen; wahrscheinlicher ist jedoch, dass sein Partner versucht, die zweite Hand zur Hilfe zu nehmen. Dazu muss er sich von meinem Schüler wegdrehen, was diesem ermöglicht, den zur Hilfe genutzten Arm bzw. Schulter mit seiner Brust zu blockieren und mit einem sogenannten „Gift Wrap“ dessen Rücken zu nehmen.

Ein weiterer Startpunkt meines Schülers ist die Mount, in der er ähnlich vorgeht: Er isoliert einen Arm, um diesen Anzugreifen und sein Partner gezwungen ist, diesen zur Verteidigung diagonal über sein Gesicht zu legen, was meinen Schüler erneut den Gift Wrap ermöglicht.

In beiden Fällen hat mein Schüler einen Angriff genutzt, um eine Reaktion zu erhalten, die er für einen positionellen Angriff weiterverwendet hat; dass er in beiden Fällen die gleiche Reaktion erzwungen hat hilft, Muster zu erlernen und sich anzugewöhnen, um den Kampf soweit wie möglich zu vereinfachen.

Bottom Player

Ein anderer Schüler hat sich dazu entschieden, die Closed Guard als Angriffsposition zu wählen. Im Gegensatz zum Top Player muss er viel mehr Wert darauf legen, dass seine Angriffe in einer Submission enden, weil er nicht nur keine Punkte sammelt, sondern sein Gegner potentiell in Führung liegt, wenn er seine gewünschte Position erreicht hat.

Für den unteren Spieler ist vor allem die Aufgabe, die Passing-Versuche des Gegners so lange abzuwehren, bis er selbst seine favorisierte Guard erreichen kann oder sich aus Pins in seine favorisierte Position zu befreien.

Mein Schüler hat hierzu vor allem die Half Guard als „Mittelweg“ entdeckt, in die er sich in der Side Control unten liegend vorarbeiten kann, bevor er sich von dort weiter zur Closed Guard kämpft.

Fragen zur Gestaltung des Gameplans, Teil II

  • Welche ist meine beste Position?
  • Welche Aktionen führen aus welchen Position zu dieser Position?
    • Welche führen von Oben weiter zu dieser Position?
    • Welche führen von Unten weiter zu dieser Position?
  • Welche Angriffe kann ich nutzen, um diese Positionswechsel zu erzwingen?
  • Können diese Angriffe eventuelle „Shortcuts“ sein, wenn die Zeit knapp wird oder mein Gegner nicht aufpasst?
Alex Warncke

Headcoach and founder of Phoenix Brazilian Jiu-Jitsu; BJJ Purple Belt

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Alex Warncke

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